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Autor: Eckhard Maier
Thema: Gottes Liebesziel: Alles in Allem - Entscheidende Wesenszüge unseres Vater-Gottes

Unser Gottesbild und die Kenntnis des Wesens Gottes beeinflussen ganz wesentlich unser Glaubensleben und auch unseren Wandel. Sollen wir in ein Bild verwandelt werden, so müssen wir dieses Bild sehr gut kennen und immer wieder anschauen (2. Kor. 3, 18). Unser Gottesbild strahlt auch auf andere aus: in unserer Familie, der Gemeinschaft, in der wir stehen, oder auf diejenigen, die wir zu dem HERRN führen wollen.

Das Bild eines »gerechten«, aber unbarmherzig auf gewissen Voraussetzungen und Gesetzen bestehenden Gottes führt Gläubige zu Hartherzigkeit und Gesetzlichkeit. In den USA wollte ich einmal in einem bestimmten Kreis Gemeinschaft pflegen. Dazu war Voraussetzung, gewisse Bedingungen zu unterschreiben, die ein anderes Gottesbild darstellten, als ich es hatte. Mein Zögern, die Unterschrift zu leisten, führte dazu, daß mir nicht nur die Gemeinschaft verweigert wurde, sondern es wurde der Stab völlig über mir gebrochen: Das würde mich auch vom Himmel ausschließen.

Andererseits kenne ich Gläubige, die ihr ganzes Vertrauen einseitig auf die unbegrenzte Barmherzigkeit Gottes richten und Gerechtigkeit, Sündenvergebung und Heiligung zu leicht nehmen.

Selbst das Verständnis des Wortes Gottes und seine Auslegung wird an vielen Stellen geprägt von unserem Gottesbild. Nicht zuletzt deswegen können Christen mit der gleichen subjektiven Treue zum Wort an vielen Stellen zu gegenteiligem Verständnis kommen.

Das gleiche gilt auch für andere Religionen. Die Härte der Moslems ist nur auf diesem Hintergrund zu begreifen, und der Fatalismus und das mangelnde Mitleid der Hindus rührt von ihrem Verständnis des Karma her.

Es ist daher von entscheidender Bedeutung, daß wir das rechte Gottesverständnis und Gottesbild haben; denn um unser Verhältnis zu dem liebenden Vater recht gestalten zu können, müssen wir diesen kennen und von Ihm geprägt sein. Ein gesundes Vaterbild aufzubauen, ist vor allem für diejenigen besonders wichtig, die aufgrund eigener Erlebnisse in der Familie auf diesem Gebiet Probleme haben. Hier ist innere Heilung notwendig. Erst dann kann eine tragende Beziehung aufgebaut werden, die ihrerseits wieder das Wesen dieses Vater-Gottes in rechter Weise darstellt.

Auf meinem Lebensweg sind mir immer wieder Menschen begegnet, die durch eingehende Gespräche über dieses Thema eine Korrektur des Gottesbildes erfuhren und ein völlig neues Verhältnis zu Gott und dem Herrn Jesus Christus bekommen haben. Dazu nur kurz zwei Beispiele:

Zunächst denke ich an einen leitenden Bruder aus Israel. Er bezeugte, daß er nach diesem neuen Verständnis jetzt in viel tieferer Anbetung und Liebe diesem Vater gegenübersteht und ohne Rückhalt alles mittragen kann, was dieser Vater tut und wie Er handelt. Als nächstes steht mir eine Missionarin vor Augen, deren Dienst über Jahrzehnte von einem anderen Gottesverständnis getragen wurde und die erst im Alter durch ausführliche Wortstudien vorbereitet wurde, im Gespräch dann das eigentlich biblische Gottesbild anzunehmen. Sie lebte richtig auf und wurde noch mehr denn je dadurch zur brennenden Zeugin dieser Liebe des in Jesus Christus gerechten Gottes. Sie wußte besonders die Harmonie des Gesamtbildes zu schätzen.

Wie können wir das Wesen unseres Vater-Gottes kennen und verstehen lernen? Ich möchte es auf zweierlei Weise zu tun versuchen:

  1. Wir wollen direkte Aussagen der Schrift über das Wesen Gottes lesen und zu einem Gesamtbild zusammenfügen.

  2. Gott hält sich selbst an Sein Wort, so dürfen wir Ihn auch nach Seinem Handeln und Seiner Zielsetzung beurteilen.

Das Wesen Gottes

All die vielen Bibelstellen im einzelnen anzuführen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. So sollen, wie in einem Kaleidoskop, die einzeln genannten Wesenszüge ablaufen. Jede Aussage ist - meist sogar wörtlich - biblisch belegt!

Gott ist nur Liebe, Licht und Gerechtigkeit. Zudem steht geschrieben, daß Gott Geist ist. Soweit die fundamentalen Generalaussagen. Das All ist von Ihm, durch Ihn und in Ihn hinein; diese umfassende Aussage können wir sicher in ihrem ganzen Umfang nur bruchstückhaft erahnen. Weiter ist gesagt: Aus Ihm sind alle Dinge oder das All. Er wird Herr der Herren genannt, König der Könige und auf der anderen Seite auch Vater, und das nicht nur im N. T., sondern auch im A. T. Die Juden haben ein berühmtes Gebet, das von zentraler Bedeutung für sie ist, das »Avinu malchenu« (unser Vater, unser König). Hier ist das Bild Gottes als Vater bereits im A. T. verankert. Der Vater-Gott wird auch »Gott aller Götter« genannt, womit der Monotheismus nicht in Frage gestellt wird. Was das für »Götter« sind, muß an anderer Stelle behandelt werden. Andererseits wird Gott auch Richter genannt, obwohl im N. T. dann davon die Rede ist, daß das Gericht dem Sohne übergeben ist. Die Wesenszüge Hilfe, Stärke und Zuflucht sind oft zu finden. Es ist immer so viel Tröstliches auch in diesen charakteristischen Aussagen über den Vater-Gott. Zum Beispiel steht geschrieben: »Er ist meine Rettung, meine Festung«, und »Er ist die Hoffnung der Herrlichkeit.« Jesus selbst sagt einmal: »Gott ist gut«, und zwar im Sinne des hebräischen Wortes »tov«, das einen viel breiteren Sinninhalt hat als im Deutschen. »Tov« beschreibt die Fülle der Güte! Gott wird außerdem mit folgenden Attributen belegt: heilig, weise, gerecht, gnädig, barmherzig; Sein Charakter ist treu und wahrhaftig.

Nur zwei Dinge kann Gott nicht: Er kann nicht lügen und sich selbst nicht verleugnen. Hier ist sogar die Allmacht begrenzt, wenn man diese Eigenschaften überhaupt in die Allmacht einbeziehen kann.

Gott ist Autorität. Er ist mächtig, unwandelbar, es gibt keinerlei Veränderung in Seinem Wesen von allem Anfang an. Vergessen wir auch nicht, daß Er ein eifersüchtiger Gott genannt wird, aber nicht eifersüchtig in unserem egoistischen, menschlichen Sinne. Er »eifert« um das Heil der Seinen, und Er weiß, daß nur in Ihm Heil ist. Deswegen darf Er eifersüchtig sein, denn es gibt darin keine negative Dimension. Auch der Zorn und das verzehrende Feuer sind hinführende und reinigende Wesensauswirkungen. Es wird nämlich auch gesagt, daß Gott langsam zum Zorn und groß an Gnade und Güte ist.

Gott ist auch ein persönlicher Gott, eine wunderbare Aussage! Er sieht die Person an. Jeder einzelne darf wissen, daß Gott ihn durch und durch kennt, besser als er selbst es jemals kann. Auf diese persönliche Beziehung dürfen wir bauen und unser Glaubensleben gründen.

Das Handeln Gottes

Gott handelt nach einem Plan, Seinem Vorsatz (Eph. 3, 11), den Er in Jesus Christus, Seinem eingeborenen Sohn, verwirklicht. Er ist der handelnde Gott, über den geschrieben steht: »... denn dafür arbeiten wir und werden geschmäht, weil wir auf einen lebendigen Gott hoffen, der ein Retter aller Menschen ist, besonders der Gläubigen. Dies gebiete und lehre!«(1.Tim. 4,10).

Retter kann nur einer genannt werden, der gerettet hat. Will einer retten, so ist er noch kein Retter!

Gott ist Liebe, Licht und Gerechtigkeit; von diesen Grundzügen Seines Wesens ist Sein Handeln stets bestimmt. Zunächst wollen wir dem Handeln nachgehen, indem wir jeden Zeitbegriff zu vermeiden suchen.

Jesaja 19, 21.22: Hier ist die Rede von der Zukunft des Nahen Ostens, wenn eine Straße von Ägypten durch Israel nach Assyrien verläuft. »Und der HERR wird sich den Ägyptern kundgeben, und die Ägypter werden den HERRN erkennen an jenem Tage; und sie werden dienen mit Schlachtopfer und Speisopfer und werden dem HERRN Gelübde tun und bezahlen. Und der HERR wird die Ägypter schlagen, schlagen und heilen...«Das Schlagen ist nie das letzte Wort, sondern das Heilen folgt darauf! Weiter steht in Jes. 57,16: »Denn ich will nicht ewiglich rechten und nicht auf immerdar ergrimmt sein; denn der Geist würde vor mir verschmachten und die Seelen, die ich ja gemacht habe.«Gott will Sein Geschöpf nicht verschmachten lassen, sondern retten. Nun noch eine köstliche und äußerst hoffnungsvolle Stelle, ausgerechnet aus dem herzzerreißendsten Klagelied der Schrift: »Denn der HERR verstößt nicht ewiglich; sondern wenn Er betrübt hat, erbarmt Er sich nach der Menge Seiner Gütigkeiten. Denn nicht von Herzen plagt und betrübt Er die Menschenkinder«(Klagel. 3, 31-33). Was für ein wunderbares Wort!

Ein weiteres Wort über die letzten Absichten Gottes steht in 2. Sam. 14, 14 b: »...und Gott nimmt nicht das Leben weg, sondern Er sinnt darauf, daß der Verstoßene nicht von Ihm weg verstoßen bleibe.« Gottes Absicht ist immer das Heil, und Er sucht das Verlorene, bis Er es findet. Hesekiel 34, 16: »Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückführen, und das Verwundete will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken...«

Hiermit stimmt die N. T.-Aussage völlig überein, wenn der Herr Jesus im Gleichnis von einem Hirten spricht, der 99 Schafe zurückläßt und dem einen nachgeht, bis er es findet (Luk. 15, 4).

Gott kann auch dort heilen, wo Heilung als unmöglich bezeichnet wird: »Denn so spricht der HERR: Deine Wunde ist unheilbar, schmerzlich ist dein Schlag; niemand fährt deine Streitsache, für das Geschwür gibt es kein Heilmittel, da ist kein Pflaster für dich ... Denn ich habe dich geschlagen mit dem Schlage eines Feindes, mit grausamer Züchtigung, um der Größe deiner Ungerechtigkeit willen, weil deine Sünden zahlreich sind ... Denn ich will dir einen Verband anlegen und dich von deinen Schlägen heilen, spricht der HERR, weil man dich eine Verstoßene nennt: Das ist Zion, nach der niemand fragt!« (Jer. 30, 12-17)!

Gibt es deutlichere Worte? Wo keinerlei Heilung mehr möglich ist aufgrund der Gerichtsschläge des HERRN, heilt der HERR letztlich selbst.

Was für eine tröstliche Zusage und wunderbare Aussage über das Wesen und den Retterwillen des Vater-Gottes! Weitere Stellen, die belegen, daß Gott das Unmögliche tut, sind: Jer. 32, 17.27; Matth. 19, 26; Röm. 8, 3.

Das ist das Handeln des HERRN, auf das Er sich in Seinem Vorsatz festgelegt hat. Klar und deutlich spricht sich Gott in Seinem Wort dafür aus, daß Er will, daß alle Menschen gerettet werden (1. Tim. 2, 4). Und Er hat geschworen, daß diese Verheißung auch wirklich erfüllt wird und alle Wesen im Himmel, auf der Erde und unter der Erde im Namen Jesu die Knie beugen und bekennen, daß Jesus Christus Herr ist. Dies soll zu Seiner Ehre geschehen. In Jes. 45, 23-25 ist dies als Schwur mehrfach bestätigt. Zu dem HERRN werden alle kommen, die wider Ihn entbrannt waren, und sie werden beschämt werden. Was ist dieser Ausdruck »beschämt« hier so köstlich! Beschämt sein ist niemals die Folge eines Zwangs oder der Gewalt, sondern beschämt ist man, wenn man von etwas viel Größerem überwältigt wird.

In der N. T.-Entsprechung dieses Jesajawortes ist der Sinn ausgeweitet auf die ganze Schöpfung (Phil. 2, 10. 11): »Damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, daß Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.«

Die Gültigkeit dieses Wortes ist nirgends in der Schrift auf die Lebenszeit auf Erden begrenzt! Seine Güte währet ewiglich. Obwohl eine Verheißung Gottes ausreichend Beweis für die sichere Erfüllung wäre, bekommt Johannes noch eine Vision auf das dann erreichte Ziel hin. Dort gibt jedes Geschöpf Christus Lob und Ehre (Offb. 5,13): »Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm den Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit!«

Wird Gott mit Seinem Willen auch zum Ziele kommen? Oft wird diese Frage gestellt. Es wird sogar argumentiert, daß eben Gott Seinen Willen nicht gegen den Willen des Geschöpfs durchsetzen wolle und könne. Diese Diskussion wirft sehr viele Fragen über die Allmacht und das Liebeswesen Gottes sowie über die Willensfreiheit des Menschen auf. Wir sollten diesbezüglich nicht philosophieren, sondern auf die Aussagen der Bibel hören.

Es gibt viele Stellen, die Zeugnis davon geben, daß Gott alles nach Seinem Willen hinausführt. Wer sollte das vereiteln? Gott sagt sogar das Ende vom Anfang her voraus. Wie könnte Er Wesen schaffen und geboren werden lassen, von denen Er weiß, daß der weitaus überwiegende Anteil verlorengeht? Sollte Er wirklich dem Teufel den Sieg überlassen?

Dazu einige biblische Belege: Jesaja 46, 9. 10: »Gedenkt des Anfänglichen von der Urzeit her, daß ich Gott bin ... und gar keiner wie ich; der ich von Anfang an das Ende verkündige und von alters her, was noch nicht geschehen ist; der ich spreche: Mein Ratschluß soll zustande kommen, und all mein Wohlgefallen werde ich tun...«

Jesaja 14, 24. 27: »Der HERR der Heerscharen hat geschworen und gesprochen: Wahrlich! Wie ich es vorbedacht, also geschieht es; und wie ich es beschlossen habe, also wird es zustande kommen ... Denn der HERR der Heerscharen hat es beschlossen, und wer wird es vereiteln? Und Seine ausgestreckte Hand - wer könnte sie abwenden?«

Psalm 135, 6: »Alles, was dem HERRN wohlgefällt, tut Er, im Himmel und auf der Erde, inden Meeren und in allen Tiefen.«

Epheser 1, 11: »Und in Ihm haben wir auch ein Erbteil erlangt, die wir vorherbestimmt waren nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Rat Seines Willens wirkt...«

Jesaja 55, 11: »... also wird mein Wort sein, das aus meinem Munde hervorgeht, es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen, wozu ich es gesandt habe.«

Sind das nicht unzweideutig klare Aussagen, daß Er mit Seinem Willen zum Ziele kommen wird? Unser Vater-Gott, von dem und für den das All ist (Röm. 11, 36), hat auch das Ende deutlich verheißen. Es lautet kurz zusammengefaßt: »Er hat uns das Geheimnis Seines Willens kundgetan nach Seinem Wohlgefallen, das Er sich vorgesetzt hat in sich selbst für die Verwaltung bei der Erfüllung der Zeiten: alles zusammenzufassen in dem Christus, das, was inden Himmeln, und das, was auf der Erde ist - in Ihm« (Eph. 1, 9-11).

Der Ausdruck »zusammenfassen in dem Christus« heißt wörtlich: »unter ein Haupt, Christus, bringen«. Wieder fragen wir: Wird dabei Zwang angewandt werden, oder sind die Grundsätze absolute Freiwilligkeit? Davon hängt schließlich das Heil für die beteiligten Geschöpfe ab! Wir finden das gleiche griechische Wort wieder in Röm. 13, 9, wo das ganze Gesetz als in Harmonie zusammengefaßt (in einem Gebot, der Nächstenliebe) beschrieben wird. Wenn das die Art und Weise ist, wie Christus einmal das ganze All unter Seinem Haupt zusammenfaßt, nämlich so wie das Gesetz als in der Nächstenliebe zusammengefaßt beschrieben wird, dann gibt es auch darin nur völligen inneren Einklang und Harmonie. Man kann nicht annehmen, daß dann noch Geschöpfe unter Zwang irgendwo im Leiden verharren müssen.

Das allerletzte Ziel wird in dem wohl am weitesten in die Zukunft reichenden Wort der Schrift beschrieben, nämlich in 1. Kor. 15, 26-28: Alles wird Christus unterworfen, und zwar in Harmonie (denn das Wort »unterworfen« kommt auch im nächsten Satz vor, wo sich Christus dem Vater in völliger Harmonie unterwirft). Dann heißt es: »...damit Gott alles in allem sei.«

Gibt es nach diesen Worten noch etwas, das außerhalb Gottes ist? Sicher nicht! Kann man sich vorstellen, daß in einem Reich, das in Harmonie der Liebe unter dem Haupt, Christus, dem Vater übergeben wurde, noch Geschöpfe in der Finsternis des Feuersees unter grausamem Zwang in endloser Pein leiden und schmachten? Sicher auch nicht!

»Gott alles in allem« ist das höchste Liebesziel, das sich Gott gesetzt hat. Das Licht Gottes wird dann keine Möglichkeit der Existenz für Finsternis mehr zulassen. Gott hat dann das All innerlich und äußerlich vollkommen mit sich versöhnt (2. Kor. 5, 19; Kol. 1, 20).

Entlang des viele Zeitalter währenden Weges werden die Geschöpfe möglicherweise so »unterworfen«, wie der verlorene Sohn im Gleichnis Jesu (Luk. 15, 11-32). Er hat seine eigene Entscheidung getroffen, ist von sich aus in die Ferne gegangen, hat seinen eigenen Willen zum Ziele gebracht, und er stellte fest: Er landete bei den Schweinen. Dort ging ihm auf, daß das Heil im Vaterhaus das einzig Erstrebenswerte und Beständige ist. Und er machte sich aufgrund eigener Entscheidung auf den Rückweg zum Vater, der ihn in Liebe (ohne jeden Vorwurf!) empfing. Dieser Sohn wird fortan treu im Hause des Vaters bleiben.

Ein demütiges und bußfertiges Herz istabsolute Voraussetzung für das Heil. Es ist einfach nicht richtig, wenn Gegner dieses Gottesverständnisses sagen, daß, wenn Gott mit allen Geschöpfen zum Ziele kommt, Demut, Buße, Glaube und das Kreuz keine Rolle mehr spielen können. Das ist natürlich keinesfalls so! Das Kreuz ist die Mitte der ganzen Heilsgeschichte und absolute Voraussetzung für diesen Weg und die Versöhnung überhaupt.

Das Wort »alle« spielt natürlich bei dem Studium der Schrift hinsichtlich des Heils für »alle« eine besondere Rolle. Das richtige Verständnis des Wortinhalts ist auch nicht unproblematisch. Es gibt durchaus Stellen, wo das Wort »alle« nicht statistisch »alle« bedeuten kann, z. B. Joh. 3, 26. Aber in folgendem Vergleich gibt es keinen Zweifel, daß es »alle« sein müssen, denn es ist wie eine mathematische Gleichung: 1. Kor. 15, 22: »Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.« Dabei kann nicht nur die Auferstehung zum Gericht gemeint sein. Parallel­stellen zum Ausdruck»lebendig machen« weisen stets auf Leben im Geist hin und nicht nur auf die Auferstehung zum Gericht: Joh. 5, 21; 6, 63; 1. Petr. 3, 18; 1. Kor. 15, 45; 2. Kor. 3, 6; Eph. 2, 5; Kol. 2, 13.

Ein weiterer Vergleich dieser Art steht noch in Röm. 5,18: »Wenn es nun durch eine Übertretung für alle Menschen zur Verdammnis kam, so auch durch eine Gerechtigkeit für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens.« Hier wird oft eingewandt, daß im darauffolgenden Satz nur noch von »vielen« die Rede ist. Das Verständnis muß aber doch von dem Begriff »alle« des vorherigen Satzes abgeleitet werden! Außerdem schließt »viele« ja keinesfalls aus, daß es »alle« sind, oder sind »alle« nicht doch auch sehr »viele«?

Die Zeitfrage

An dieser Stelle müssen wir in unserer Betrachtung einmal bewußt einhalten und uns klarmachen, daß wir bereits eine Fülle von Gedanken erörtert haben, die alle zu dem Schluß führten, daß Gott eine Rettung für alle Menschen vorbereitet hat. Trotzdem haben wir noch mit keinem Wort einen Zeitbegriff angesprochen. Wir betrachteten nur das Handeln, die Absicht, den Willen und die Herzensgedanken Gottes. Aber wir wollen und müssen uns auch mit dem Zeitbegriff befassen, denn es steht darüber viel geschrieben. Wir können das aber nicht tun, ohne uns über Grundlagen des Zeitbegriffes klar zu werden. Was ist »Zeit«?

Zeit ist nichts anderes als das Maß für eine Veränderung. Verändert sich nichts, so läuft keine Zeit. Wir kennen alle das Märchen vom »Dornröschen«, in dem die Zeit stehen bleibt und erst wieder an der gleichen Stelle weiterläuft, als der Prinz die Dornenhecke durchbricht. Zeit ist nichts anderes als Veränderung.

Gott hat nach Röm. 8, 20 die Schöpfung der Vergänglichkeit (der Veränderung) unterworfen, weil etwas ausreifen und wachsen, ja heilen muß. Nur wenn sich zu einem bestimmten Zweck und Ziel etwas verändern muß, braucht es Zeit. Ist etwas vollkommen, so bedarf es der Zeit nicht, weil sich nichts verändern muß. Das Maß der Veränderung ist das, was wir »Zeit« nennen. Wir messen ja die Zeit auch an der Veränderung der Zeigerstellung einer gleichmäßig laufenden Uhr. Die Wissenschaft weiß übrigens heute, daß die Zeit veränderlich in der Geschwindigkeit ihres Ablaufs ist und theoretisch auch stehenbleiben kann. Vorstellbar ist das allerdings sehr schwer!

Gott selbst ist der Ewigseiende, der Unwandelbare, derselbe von eher, bei dem nicht der Schatten einer Veränderung ist. Dazu eine Auswahl aus vielen Stellen:

Jesaja 41, 4 b: »Ich, der HERR, bin der Erste, und beiden Letzten bin ich derselbe.«

Jakobus 1, 17: »... von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten.«

Gott lebt außerhalb des Zeitablaufs. Für Ihn gibt es nur ein »Heute«. Wir bekommen eine schwache Ahnung davon, wie Er unsere Zeit betrachtet, wenn wir uns vorstellen, eine Filmszene direkt auf dem Filmstreifen aus einem gewissen Abstand auf einer beleuchteten Mattscheibe zu betrachten. Was eigentlich zeitlich hintereinander liegt, sehen wir örtlich nebeneinander, aber für uns gleichzeitig. Erst wenn wir den Film in einen Projektor einspannen und ablaufen lassen, werden wir in die Zeit des Filmes hineingenommen und erleben jetzt das zeitliche Hintereinander. So können wir uns vage vorstellen, daß Gott die Möglichkeit hat, das, was für uns zeitlich hintereinander ist, in Seinem »Heute« gleichzeitig ausgebreitet zu sehen.

Daraus erklärt sich auch die sogenannte Vorkenntnis Gottes (Apg. 2, 23). Das ist für Ihn gar keine Vorkenntnis, es sieht nur aus unserer Sicht so aus, weil wir der Zeit unterworfen sind. Für Ihn ist es das selbstverständliche Erkennen eines ganzen Lebensablaufs in Seinem »Heute«. Deswegen kann Gott selbstverständlich vom Anfang her das Ende verkündigen (Jes. 46, 10).

Gott wirkt aber in die laufende Zeit hinein und wird daher der »ewige« oder besser »äonische« Gott genannt (Röm. 16, 26). Diese Verbindung eines Zeitbegriffs mit Seinem Namen begründet aber keine Zeitabhängigkeit für Ihn.

Wenn nun Gott schon »vor Grundlegung der Welt« in einem Zustand der Zeitlosigkeit alles bis zum Ende hin vor sich ausgebreitet sah, dann istes sicher undenkbar, daß Er die überwältigende Mehrheit Seiner Geschöpfe nur dazu geschaffen hat, daß sie anschließend endlose Pein in der »ewigen Verdammnis« erleiden. Das wäre ein moralisches Problem ungeheuerlichen Ausmaßes!

Trotz dieser für mich zwingenden Überlegungen habe ich einmal von einem lieben calvinistischen Bruder, mit dem ich eng verbunden bin, auf meine Frage die Antwort bekommen: Doch, die Souveränität Gottes läßt das zu!

Jetzt noch einiges zu den Zeitbegriffen in der Bibel:

Das hebräische Denken geht viel mehr von dem Inhalt eines Zeitabschnittes aus als von seiner Dauer. Die wesentliche Aussage ist aber, daß die Vorstellung des Unendlichen völlig fehlt. Große Zeitabschnitte werden mit dem Wort »olam«, d. h. eigentlich »Welt«, oder »Weltzeit«, benannt. So spricht man von »ha'olam ha'seh", diese Welt, und »ha'olam ha'bah«, die kommende Welt; Bezeichnungen, die wir auch in ihrer Entsprechung im N. T. finden (Matth. 12, 32; Eph. 1, 20).

Das griechische Denken sieht dielineare Dauer einer Zeitperlode und nennt große, aber begrenzte Zeiträume: »aion«, Zeitalter. Auch hier ist die Vorstellung des Endlosen (vielleicht sogar Zyklischen) nicht enthalten. Zyklisch-Endloses finden wir als Konzept im heidnisch-religiösen Denken des Orients.

Die Bibel kennt keine Zeitbegriffe, die eine Unendlichkeit ausdrücken. Wir lesen von einem Plan der Zeitalter (Eph. 3, 11), von dem bösen Zeitalter (Gal. 1, 4), von mehreren Zeitaltern vor unserer Zeit (Pred. 1, 10), von mehreren Zeitaltern nach uns (Eph. 2, 7), von einem Zustand »vor den Zeitaltern« (1. Kor. 2, 7) und von einem »Abschluß der Zeitalter« oder der »Vollendung der Zeitalter« (Hebr. 9, 26). All diese Stellen lassen keine Vorstellung von einer »unendlichen Dauer« aufkommen, sondern deuten auf planmäßig aneinandergereihte, große Zeitabschnitte hin.

Offensichtlich gab es »vor den Zeitaltern« einen zeitlosen Zustand, in dem Gott in Christus die Zeitalter (Äonen) schuf (Hebr. 1, 2). Er läßt nach Seinem Heilsplan während mehrerer Zeitalter etwas wachsen und ausreifen und führt dann das All wieder in einen zeitlosen Zustand. Dies ist der gewaltige Bogen von dem »Gott alles in einem« zu »Gott alles in allem«.

Demnach ist ein Zeitalter oder eine Weltzeit (olam oder aion) ein langer, aber begrenzter Zeitabschnitt, der im Heilsplan genau definiert ist.

Eine weitere Überlegung erscheint uns erwähnenswert. Wir haben von einem zeitlosen Zustand einerseits und von Zeitabläufen andererseits gehört. Wenn wir uns jetzt über die Bedeutung und die »Dauer« von Zeitbegriffen, z. B. »ewig«, in der Schrift Gedanken machen, dann muß eigentlich ein Grundverständnis klar sein. Jeder Zeitbegriff hat überhaupt nur eine Berechtigung, während Zeit abläuft! Herrscht ein zeitloser Zustand, so ist jeder Zeitbegriff von vornherein sinnlos! Man kann bei einem schwarzweißen Bild nicht von Farbe reden. Da aber die Zeitalter und damit die Zeit selbst begrenzt sind, so muß notwendigerweise auch jeder Zeitbegriff begrenzt sein. Es gibt also keine »Endlosigkeit« in der Schrift.

Biblische Beispiele der Verwendung des Wortes »ewig« bestätigen diese Sicht. Oft ist der mit »ewig« bezeichnete Zeitraum durch ein »bis« begrenzt (Jes. 32, 14 ff.) oder ein als »ewig« charakterisierter Vorgang ist von Natur aus begrenzt (2. Mose 21, 6). Für die Begrenzung der Strafe des »ewigen Feuers« gibt die Bibel selbst eine Analogie. Sodom und Gomorra werden wegen ihrer Sünden umgebracht (Luk. 17, 29), leiden beispielhaft des »ewigen Feuers Strafe« (Jud. 7) und kehren doch wieder in den früheren Stand zurück (Hes. 16, 55). Jerusalem, das mehr als doppelt so viel gesündigt hat, wird seine Schwestern trösten (Hes. 16, 47 ff.).

Behalten wir diese Aussagen im Gedächtnis, dann lösen sich zahlreiche scheinbare Probleme:

Die Sünde wider den Heiligen Geist ist keine Todsünde, die niemals vergeben wird, sondern die eben nicht in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen vergeben werden kann. Was danach geschehen kann, ist hier nicht angesprochen. Mindestens ein weiteres Zeitalter gibt es nach obigen Erkenntnissen.

Der Feigenbaum ist nicht endlos verflucht, wenn es heißt: »Nimmermehr komme Frucht von dir in Ewigkeit!« Dort heißt es eigentlich: »Nimmermehr komme Frucht von dir für das Zeitalter!«

Im Feuersee wird gepeinigt »Tag und Nacht in alle Ewigkeit« (Offb. 20, 10). Genauer übersetzt steht hier: »in die Zeitalter der Zeitalter«, d. h. über Zeitalter hinweg. Damit ist nichts über ein Ende gesagt, aber sicher auch nichts über eine unendliche Dauer! Ein Ende der Pein ist hier nicht ausgeschlossen. - Das Ende des Feuersees ergibt sich aus dem Text ohne den Zusammenhang der Zeitbegriffe. Nach Offb. 20, 14 ist der Feuersee der zweite Tod. Wenige Verse später, in Offb. 21, 4, ist der Tod nicht mehr und keine Träne und kein Schmerz mehr, denn alles wird Christus unterworfen sein (1. Kor. 15, 26). Hier kann auch kein Feuersee mehr bestehen. Um klarzustellen, daß der Feuersee erst abgetan werden kann, wenn alles geläutert ist, folgt in Offb. 21, 8 nochmals eine strenge Mahnung. Solange die betreffenden Geschöpfe Mörder, Unzüchtige, Götzendiener etc. sein werden, ist ihr Teil im Feuersee, dem zweiten Tod.

Schwierig erscheint zunächst folgende Stelle, die wieder und wieder als Schlüsselbeweis für die »ewige Verdammnis« angeführt wird: »Und diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben« (Matth. 25, 46).

Hier wird die Frage gestellt: »ja, ist denn das ewige Leben begrenzt, wenn die Pein begrenzt sein soll? Muß nicht zwingend die ewige Pein ebenso endlos sein, wie das ewige Leben, bei dem es bei Christen kein unterschiedliches Verständnis über die Dauer gibt?«

Da es sich bei »ewig« um einen Zeitbegriff handelt, muß er in beiden Fällen zunächst begrenzt werden. Auch Adam hatte »ewiges Leben« vor dem Sündenfall. Durch Sünde endet auch nach anderen Schriftbelegen »ewiges Leben« (Leben im Reichsäon) (Jes. 65, 20; 66, 24; Offb. 20, 7-9). Nur durch Neuzeugung, nicht als Entscheidung eines Gerichts, entsteht »unauflösliches Leben« (Hebr. 7, 16) oder »Leben in sich selbst«, wie es der Herr Jesus nennt (Joh. 5, 26. 40). Erst dieses »Leben« hat Bestand über die Zeitalter hinaus in den Zustand »Gott alles in allem« hinein. Der Herr Jesus hat diese Unterscheidung den Pharisäern gegenüber auch getroffen (Joh. 26, 39. 40).

Finsternis kann keinen Bestand haben, denn bleibenden Bestand hat nur, was Gott selbst durch Neuzeugung neu macht (Offb. 21, 5; Jes. 66, 22). Wird Er etwas nicht Wohlgefälliges, etwas, das nicht nach Seinem Herzen ist, für immer bestehen lassen? Er zeugt das ganze All ins Leben (1. Tim. 6, 13). Wo bleiben dann Finsternis, Bosheit und Sünde?

Vom Feuersee haben wir gelernt, daß er bestehen muß, bis es keine Mörder, Unzüchtige etc. mehr geben wird. Gott rettet durch Gericht!

Jes. 1, 27: »Zion wird erlöst werden durch Gericht...« Und an anderen Stellen erfahren wir etwas über die läuternde Wirkung des Feuers:

»... um meinen Grimm über sie auszugießen, die ganze Glut meines Zornes; denn durch das Feuer meines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden. Denn alsdann werde ich die Lippen der Völker in reine Lippen umwandeln, damit sie alle den Namen des HERRN anrufen und Ihm einmütig dienen« (Zeph. 3, 8-9).

Feuer hat verzehrende, aber darin eben läuternde Kraft (Jes. 6, 7; 48, 10; Hes. 22, 20-22). Feuer ist das Sinnbild der Liebe, die ebenfalls »verzehrendes Feuer« genannt wird. Diese Liebe führt eben durch die läuternde Kraft ans Ziel!

Gottes Ziele entsprechen Seinem Wesen

Das muß uns allen von ganz großer Bedeutung sein! Gottes Wesen ist nichts als Liebe, Licht und Gerechtigkeit (1. Joh. 1, 5; 4, 8; Joh. 4, 24). Das ist die Grundlage unserer Botschaft. Wenn wir in dieser Weise auf die Menschen zugehen, dann ist die Botschaft dieses Gottes viel überzeugender! Ich würde sicher nicht gleich bei dem ersten Gespräch einem Menschen, den ich zu Christus führen möchte, diese Wahrheit offenbaren. In diesem Stadium sind andere Themen dran, und man sollte mit Bedacht und mit gebotener Vorsicht vorgehen. Aber ich habe viele Menschen getroffen, denen gerade dieses Thema zum großen Problem wurde. Sie waren an einen Punkt gekommen, an dem sie sagten: »An einen Gott, der mit Seinem Willen nicht zum Ziele kommt und unzählige Geschöpfe endlos quält, kann ich nicht glauben, den kann man nicht verehren und anbeten.« Und ich muß bekennen, daß ich für diese Haltung sehr viel Verständnis habe!

Für mich war diese Erkenntnis eine ganz grundlegende und entscheidende Frage, als ich 1950 zum Glauben kommen durfte. Nur einen souveränen Gott der Liebe, der Sein Ziel erreicht mit Seiner Schöpfung, wollte ich anbeten, tief verehren und Ihm dienen. Er wird am Ende auch von allen angebetet werden, weil Er ein Retter aller Menschen ist.

Nur dieses Wesen der Liebe und Gerechtigkeit sowie die Weisheit, notfalls durch Gericht zur freien Willensentscheidung und Annahme der Erlösung durch das Kreuz zu führen, macht Christus am Ende zum strahlenden Sieger. Er ist das Lamm, vor Grundlegung der Welt vom Vater ersehen, in Vorkenntnis der Irrwege, in die die Schöpfung verfallen sollte (1. Petr. 1, 19. 20). Gottes gerechte Liebe konnte nichts erschaffen, ohne die Gewißheit zu haben, daß Er alles zur Herrlichkeit führen kann! Er hat vorher die Kosten berechnet, ob Er es habe hinauszuführen, wie es der Herr Jesus von jedem Erbauer eines Turmes verlangt (Luk. 14, 28-30).

Wir dürfen wissen, daß Er uns gebraucht, um Seine Ziele zu erreichen (2. Kor. 1, 20). Wenn jemand leichtfertig sagt: »Es kommen ja doch alle in den Himmel«, dann hat er nichts von dem Wesen Gottes verstanden. Wir dürfen in wachsendem Maße Gottes Wesen inuns tragen, und dazu gehört eben auch das Feuer der Liebe, andere zu retten, teilzuhaben an dem rettenden Handeln Gottes. Wie wunderbar ist es zu wissen, daß wir auf der Seite des Siegers stehen! Alles, was wir für den Herrn tun, trägt zum Siege bei.

Jesus Christus wird in Liebe und Harmonie Sieger sein. Alle werden die Knie beugen und Ihn anbeten. Alle werden Ihn im Vollsinn des Wortes »Herr« nennen. »Mein Herr«, so werden sie Ihn nennen. Luther hat einmal den langen Weg beschrieben, den jemand zurücklegt, bis er vom Ausdruck »Herr« zu »mein Herr« kommt. Das Rettende ist eben dieser Anruf »mein Herr«.

Das ist es, was sich Gott zum Heil der Geschöpfe wünscht, daß jeder in Harmonie und Freiwilligkeit, überführt von der Größe und Liebe Gottes, seine Knie beugt und Christus »mein Herr« nennt. Damit ist die Gegenliebe erreicht, die die einzige wirkliche Erfüllung selbstloser Liebe ist. Dies ist dann eine Liebe, die spontan aus dem Herzen des Geschöpfes Ihm, dem Gott der Liebe, entgegengebracht wird. Da kann und darf kein Zwang mehr herrschen, sonst wäre es nicht zur Ehre und Verherrlichung des Vaters, dem letzten Ziel aller Dinge.

Dann wird sich alles um den Herrn als Zentrum gruppieren. Er wird die notwendige Mitte allen Geschehens sein, denn ohne diese Mitte bleibt auch das reinste gegenseitige Dienen ziellos. Ich erinnere mich an Situationen, in denen Gläubige versuchten, jeder dem anderen absolut selbstlos zu dienen. Es war schwer, überhaupt zu einer Entscheidung über die einfachsten Dinge zu kommen. Die Mitte und das Einssein mit dem Willen des Herrn fehlte.

Deswegen bedarf es des Kreuzes und der Überführung der Sünder. Deswegen müssen wir loskommen von unserem egoistischen Wollen, wo wir immer noch selbst die Mitte sind. Wir müssen ausgerichtet werden auf die einzige Mitte, die das gemeinschaftliche Heil und die Harmonie im zeitlosen Zustand des »Gott alles in allem« herbeiführen und erhalten kann.

Dazu sind wir auch heute schon berufen. Wir sollen mitbauen und Aufgaben übernehmen. Wir müssen große Netze auswerfen, auch wenn nicht zu erwarten ist, daß alle schon heute den Herrn annehmen. Aber alle sind auf dem Weg, sei es auch in frühester Vorbereitung. Kein Wort, kein Zeugnis ist unnütz. Alles, was für den Herrn getan ist, wird eines Tages Früchte tragen. Die Saat wird aufgehen! Dieses Wissen muß uns - recht verstanden - in größte Aktivität führen und nicht in lasche Apathie, wie die Gegner behaupten.

Wer den Kern dieses Gottesbildes verstanden hat, der wird mit Freuden aus tiefstem Herzen Gott anbeten. Er wird mit großer Gewißheit seinen Weg in Geborgenheit gehen, weil er von dem Vertrauen lebt: Der Herr kommt zum Ziel.

Ein so Glaubender wird auch nicht in einer selbstgewählten Aktivität dem Herrn dienen wollen, sondern er wird in völliger Abhängigkeit vom Willen des Herrn seine Aufgabe zu erfüllen suchen. Er wird das ihm Aufgetragene zu tun bestrebt sein, damit der Herr unter uns und durch uns an anderen das heute Notwendige erreicht.

Das Wissen um das wahre Wesen Gottes ist ein großes Hoffnungsgut. Es ist die Hoffnung, die zur Gewißheit wurde, weil die Grundlage für den Inhalt der Hoffnung schon gelegt worden ist. Unsere Hoffnung ist Jesus Christus und Seine Heilstat am Kreuz. Die ist in der Vergangenheit bereits geschehen. Deswegen leben wir in der Gewißheit von diesem Geschehen her.

Epheser 3, 11 haben wir am Anfang erwähnt und wollen auch damit schließen. Gott hat Seinen ewigen Vorsatz in Jesus Christus bereits verwirklicht. Er wird ihn nicht erst am Ende der Tage in die Tat umsetzen. Er hat das Werk schon von innen heraus abgeschlossen, es muß nur noch seine nach außen sichtbare Gestalt gewinnen. Deswegen ist unsere Hoffnung auf etwas gerichtet, was schon zur feststehenden Tatsache geworden ist. Wir können dieses Wissen im festen Glauben als Gewißheit mitnehmen, uns vom Herrn gebrauchen lassen und Seinen Namen ehren.

(Quelle: "Gnade und Herrlichkeit"; 1995; Paulus-Verlag Karl Geyer; Heilbronn)