Allaussöhnung

Allaussöhnung bezeichnet eine Auslegung der Bibel, nach der sich letztlich Gott mit den Menschen und die Menschen sich mit Gott versöhnen werden, also eine "gegenseitige Versöhnung" aller Geschöpfe mit dem Schöpfer, die erst durch die Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi möglich wurde. Die Sicht der Allaussöhnung steht im Gegensatz zur Lehre vom doppelten Ausgang bzw. der Höllenlehre.



Definitionen

Allaussöhnung ist nicht (völlig) identisch mit Allversöhnung, christlichem Universalismus oder Apokatastasis panta ("Wiederbringung Aller", WA) obwohl die Begriffe oft synonym verwendet werden.

  • ·         ''Allaussöhnung'' - Der Begriff ''Allaussöhnung'' entstammt der neutestamentlichen Aussage, dass Gott in Zukunft "das All mit sich aussöhnen" wird. (Kol. 1:20). Zentral in diesem Zitat ist der Verb "aussöhnen von allem" (gr. apokatallasso pas), im Gegensatz zu "versöhnen" (gr. katallasso) oder ''sühnen'' (gr. hilaskomai). "Apokatallasso pas" kann nach Wortteilen übersetzt mit "Herab-ab-ändern des Alls" wiedergegeben werden.
  • ·         ''Allversöhnung'' -  Versöhnung ist im Unterschied zur Aussöhnung nur einseitig und wird nach folgender Stelle als schon geschehen betrachtet:  "Denn wenn wir, als wir Feinde waren [also als Nichtchristen], mit Gott durch den Tod Seines Sohnes ''versöhnt'' (gr. katallasso) wurden, wieviel mehr werden wir, nun versöhnt (gr. katallasso), in Seinem Leben gerettet werden!" (Römer 5:10). Von Aussöhnung kann demnach erst bei einer beidseitigen Versöhnung gesprochen werden; Allversöhnung ist in diesem Sinn die schon geschehene Vorbereitung der Allaussöhnung.
  • ·         ·        ''Apokatastasis panta'' - Die griechischen Begriffe bedeuten übersetzt "Wiederbringung Aller" (WA) und entstammen Apostelgeschichte 3:21 "Ihn (Jesus) muss der Himmel aufnehmen bis auf die Zeit, da "alles wiedergebracht" wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn". Im Unterschied zur Allaussöhnung, die von einem noch nie da gewesenen Endzustand ausgeht (also nicht von einer Wiederbringung redet), spricht diese Stelle nach Meinung vieler Ausleger von der Wiederherstellung der Theokratie im 1000-jährigen Reich. Mit der Verkündigung der Allaussöhnung ist außerdem in konkreter Form nur der Apostel Paulus beauftragt (z.B. Römer 16:25 ff).

Biblische Begründung

Die Lehre der Allaussöhnung befasst sich mit dem Ausgang der Menschheitsgeschichte und sieht diese als Heilsgeschichte, durch die Gott Sein Heil bewirkt.

Demnach ist die Allaussöhnung geschehen, wenn sich erfüllt hat: "Alles hat sich Christus untergeordnet" (1. Kor. 15:25-28, siehe auch Kol. 1:15-17; Eph. 1:9,10,20-23, Phil. 3:21), "damit in dem Namen Jesu sich jedes Knie beuge" und jede Zunge huldige: "Herr ist Jesus Christus, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters" (Phil. 2:11, Jes. 45:23-24), was nur in Heiligem Geist möglich sei (1. Kor. 12:3). Jeder Mensch wird somit Jesus als Herrn erkannt haben, womit der Weg zu einer Aussöhnung frei ist. Darin kann man sich auf "den lebendigen Gott verlassen, welcher der Retter aller Menschen ist" (1. Tim. 4:10, siehe auch 1. Tim. 2:4 und 2. Petrus 3:9).

Grundlage

Die Allaussöhnung wurde also erst durch den Tod und die Auferstehung Jesu möglich (was nur deswegen so bedeutungsschwer ist): "Demnach nun, wie es durch die eine Kränkung Adams für alle Menschen zur Verurteilung kam, so kommt es auch durch den einen Rechtsspruch durch Jesu Tod für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens" (Römer 5:18; 1. Kor. 15:22). Das Handeln Gottes wird in diesem Heilsverständnis als ausschlaggebend gesehen, und umschließt auch den Widerspruch der Menschen auf dem Weg hin zum Ziel (Römer 11:32).

Verlauf der Heilsgeschichte

Als Weg zu diesem Ziel Gottes wird für bis dahin ungläubig gebliebene Menschen das letzte Gericht gesehen. Diese werden nach Offenbarung 20:11 ff. auferstehen, um vor dem "großen weißen Thron" gerichtet zu werden, entsprechend ihrer Werke (Offb. 20:13). ''Gericht'' wird dabei im Sinn einer "Ausrichtung", "Richtigens" oder "Rechtmachens" als eine Maßnahme gesehen, durch die nach göttlicher Rechtsnorm, aufgrund der Gerechtigkeit Gottes, die Zurechtbringung des Menschen erfolgt (Psalmen 37:33, 82:3; Sach. 7:9; 5. Mose 16:18, Joh.5:22f. Sie werden dort Jesus als Ihren Herrn erkennen können und glauben (=vertrauen) Ihm damit. Nach diesem Gericht kommen sie in den "zweiten Tod: den See des Feuers" (Offb. 20:15). Es wird darauf hingewiesen, dass von Qualen für Menschen im Zusammenhang mit dem zweiten Tod in der Bibel keine Rede ist (die Vorstellung der heidnischen "Hölle"  wird als unbiblisch abgelehnt, siehe Link). Oft wird  "Feuersee" dabei als Bild für die reinigende Präsenz Gottes gesehen; denn in u.a. Heb. 12:29 ist die Rede davon, dass Gott selbst "verzehrendes Feuer" ist. Der zweite Tod aus dem Buch Offenbarung dauert den letzten Äon an (Offb. 21). Nach dem Abschluss aller Äonen wird auch dieser Tod, als letzter aller Feinde Gottes, unwirksam gemacht (1. Kor. 15:26) und somit dieser Zustand beendet. Dann wird Gott "alles in allen sein" (1. Kor. 15:28).

Geschichte

Die grundsätzliche Sicht der Allaussöhnung hat im Christentum durchaus Tradition, gleichwohl die biblische Begründung nicht immer in allen Punkten gleich war; verbunden hat entsprechende Ausleger aber die Ablehnung der Lehre der Hölle (endlose Qual) bzw. der Vernichtungslehre der Zeugen Jehovas (endloser Tod, Annihilationismus). Von ihnen und Historikern wird auf die Ähnlichkeit der Höllenlehre in älteren heidnischen Kulten und Religionen hingewiesen, beispielsweise im Zoroastrismus, Manichäismus und in dem noch bei der Entstehung des Höllendogmas sehr aktiven Mithraskults. Daher gehen sie von einer Übernahme dieser älteren, heidnischen Vorstellungen in das Lehrgebäude des Christentums aus und versuchen dagegen anzukämpfen.

Apokatastasis wurde zuerst ausdrücklich in Alexandria von Clemens von Alexandria (150-215 n. Chr.) und dem Kirchenvater Origenes (185-254 n. Chr.) gelehrt. Clemens von Alexandrien betrachtete Rache als etwas, was nicht zu Gottes Wesen passt. Denn Rache ausüben wäre nichts anderes als "Böses mit Bösem zu vergelten, wohingegen Gott den Gezüchtigten um seines eigenes Wohles willen züchtigt".

Origenes meinte beispielsweise: "Und ich bin der Überzeugung, daß er (Gott) die Lasterhaftigkeit auch in geordneter Weise (einmal) ganz und gar vertilgt, zum Heile des Ganzen." und "Wie es bei den körperlichen Krankheiten und Wunden einige gibt, die durch keine ärztliche Kunst geheilt werden können, so ist es andererseits, wie wir behaupten, unwahrscheinlich, dass bei den Seelen ein von der Sünde herstammendes Gebrechen vorhanden sei, das unmöglich von der über allen waltenden Vernunft und von Gott geheilt werden könnte".

Dieser Grundgedanke wurde vom Kirchenvater Gregor von Nyssa (335-394) und nach ihm von vielen in der byzantinischen Orthodoxie geteilt. Er sagte, dass "es nicht hauptsächlich und primär Strafe ist, was Gott den Sündern auferlegt, sondern Er handelt ..., nur um das Böse von dem Guten zu trennen und es in die segensvolle Gemeinschaft zu ziehen". Die hier angesprochene Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft, die so aussehen wird, dass alle Geschöpfe "in ihrem Verlagen und Wünschen dasselbe Ziel (nämlich Gott) haben werden und dieses Ziel auch (an)schauen werden, und zwar ohne das noch irgendwas Böses in ihnen anzutreffen wäre".
Auch andere Kirchenväter wie Didymus der Blinde, Diodor von Tarsus und Theodor von Mopsuestia lehrten die Apokatastasis. Durch Theodor von Mopsuestias Liturgie wurde sie in der Assyrischen Kirche des Ostens übernommen, wo sie bis heute zur Lehre gehört. Eine Ursache ist, dass die Orthodoxie erkannt hat, dass die Menschheit durch Adams Fall nicht die Schuld (bzw. Verdammnis), sondern den Tod geerbt hat (nach 1. Kor. 15:22), worauf alle sündigten (Römer 5:12). Da aber Jesus für alle Sünden der Welt gestorben ist, gibt es in der Kirche des Ostens keine Grundlage für eine "Höllenlehre".

Starker und auch bis heute äußerst einflussreicher Gegner dieser Sicht war der Rhetoriklehrer und "Kirchenvater" Augustinus (354-430) mit seinen Schriften "Augustinus magister" (Lehre exklusiver Gnadenerwählung) und "Vom Gottesstaat" (Buch 21, spez. Kap. 17 mit Verwerfung des Origenes): Im "Gottesstaat" verbreitete Augustinus im Kern die heidnische Weltreligion des Manichäismus (von dem Babylonier Manus entwickelt), deren Anhänger Augustinus 9 Jahre lang war: Das Universum sei kurz nach dem Beginn in Gut und Böse (bei Augustinus: gefallene und gut gebliebene Engel) zweigeteilt (Dualismus) und wird in den guten Ursprungszustand wieder zurückkehren (wiederum geprägt vom kreisförmigen, zyklischen Denken der Gnosis und des Neuplatonisimus). Die Zahl der Menschen, die in den Himmel dürfen, entspricht daher der Anzahl der abgefallenen Engel; der Rest der Menschheit ist zur Hölle verdammt. Diese deutlich unbiblische Irrlehre wurde im Wesentlichen auch von Calvin übernommen. Augustinus lieferte sogar Argumente, die gedachte endlose Quälerei sogar mit der Bibel zu rechtfertigen, die bis heute verwendet werden. Beispielsweise behauptete er, dass die äonische Strafe (irreführend oft mit "ewiger Qual" übersetzt, die aber äonischer Tod ist: Offb.20:5) aus Matth. 25:46 endlos sei, da das gleich bezeichnete äonische Leben auch endlos sei (richtig ist aber, dass beides zeitlich begrenzt ist). Außerdem stellte er die abstruse Theorie (genannt "Erbsündenlehre") auf, dass jeder Mensch "Mittäter" beim Sündenfall des Adam gewesen sei und deswegen auch eine endlose Höllenstrafe für jeden Menschen gerechtfertigt sei (was der schlechten lateinischen Übersetzung der Vulgata zuzuschreiben ist, die Römer 5:12 mit "Sünden in statt durch Adam" übersetzte - Augustinus beherrschte kein Griechisch) und dann durch die Geschlechtslust bei der Geburt auf jeden Menschen übertragen wird. Biblisch dagegen ist, dass durch Adam der Tod vererbt wurde (der zur Sünde führte: Römer 5:12), was aber gerechterweise auch wieder durch Jesus aufgehoben wird (Römer 5:18, 1.Kor.15:22). Er meinte auch, dass Gerichte bei Gott nur strafenden, sinnlosen Charakter haben würden und nicht der Besserung dienen, was unhaltbar ist (Jes. 1:27, 26:9, Ps.82:3; Sach.7:9; 5.Mose 16:18; Ps.37:33, Joh.5:22f., 1. Kor. 11:31).
Dieses also im Kern heidnische "Evangelium des Augustinus" hat bis heute de fakto höheren Stellenwert als die Bibel selbst, weswegen sich dieses Gift im Denken des Christentums weit verteilt hat.

Der Kirchenlehrer Hieronymus (gest. 420), der der Sekretär des Papstes Damasus war, schrieb in seiner Erklärung des Propheten Isaias, die Verdammten würden später reichlicher Tröstungen teilhaftig, aber das müsse geheimgehalten werden, damit die Gläubigen aus Furcht vor den ewigen Höllenstrafen nicht sündigen. Dieses pädagogische Motiv war sicher einer der Gründe, weshalb kirchliche Kreise die Lehre der Apokatastasis des Origenes bekämpft und verurteilt haben.

Die Sicht der Apokatastasis wurde dennoch so stark, dass Kaiser Justinian I. sich genötigt sah, ihr Fortwirken 543 mit dem 5. Ökumenische Konzil zu unterbinden. In dem dort aufgestellten Verdammungsedikt wurde unter anderem die Sicht des Origenes in der Synode von Konstantinopel verflucht und gleichzeitig die auch aufkommende Lehre von einer endlosen Qual im Christentum etabliert, obwohl der Begriff „Hölle“ vermieden wurde : Wenn einer sagt oder meint, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen sei zeitlich und werde zu irgendeiner Zeit ein Ende haben oder es werde eine Wiedereinbringung von Dämonen oder gottlosen Menschen geben, der sei verflucht. Im zweiten Konzil von Konstantinopel, wurde das 553 bestätigt: Wer behauptet, die himmlischen Mächte, alle Menschen, der Teufel und die bösen Geister würden sich [schließlich] mit Gott untrennbar [wieder] vereinen, so wie jener göttliche Geist, den sie Christus nennen, der von göttlicher Gestalt war und sich, wie sie sagen, entäußerte [Phil. 2,6 f], und dadurch werde es ein Ende des [jetzt noch gespaltenen] Königtums Christi geben - den treffe der Bannfluch!  Auch im wird Andersdenkenden mit "ewigem Feuer" gedroht. 1439 behauptete das Konzil von Florenz allen Ernstes, dass "niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide noch Jude, noch Ungläubiger (Islam) oder ein von der Einheit der Kirche Getrennter des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt". Die von Augustinus gelehrte Verdammnis der ungetauften Kinder war so töricht, daß diese Lehre schon nach kurzer Zeit aufgegeben werden mußte. Sie hatte bereits die Mütter seiner Diözese zur Verzweiflung gebracht. Heute wird gelehrt, daß die ungetauften Kinder in die 'Vorhölle' kommen (was allerdings ebenfalls jeder biblischen Grundlage entbehrt), wo sie keinen Leiden ausgesetzt sind, aber nicht in den Himmel kommen können. Damit war das Schicksal der Lehre von der Erlösung aller Menschen in der westlichen Kirche für lange Zeit besiegelt. Auch die Reformatoren ingesamt wollten sich nicht mehr von der Höllenlehre trennen (Confessio Helvetica posterior von 1566, art.7). Somit hatte die Kirche hunderte von Jahren hinweg durch Zensur, die Drohung mit Exkommunikation und damit zwangsweise folgender Höllenqualen ein Druckmittel in der Hand, um von Bauern den Zehnten und von Kaisern politische Zugeständnisse abzupressen.

In dieser dunklen Zeit wagte gerade mal ein Anselm von Canterbury (um 1033 bis 1109), zu schreiben, dass "göttliche Güte so groß ist, wie sie größer nicht gedacht werden kann" und dass Gottes Gerechtigkeit mit grenzenloser Barmherzigkeit gleichgesetzt werden müsse. Auch der bedeutende irische Theologe Johannes Scotus Erigena (9. Jh.) vertrat in seinem Werk den Universalismus.

Stärkere Verbreitung fand die Sicht der Allaussöhnung erst wieder bei einigen Reformatoren, wie Martin Bucer (1491-1551) und dem deutschen Täuferführer Hans Denk (1495-1527). Auch die bibeltreue Reformbewegung des Pietismus (ab 1650), deren positive Auswirkungen insbesondere in Süddeutschland immer noch spürbar ist, verurteilte die katholische Höllenlehre als Märchen und lehrte die biblische Allaussöhnung. Der Superintendent Johann Wilhelm Petersen (1649-1727) führt folgende klassische Definition an: Es ist das ewige Evangelium eine fröhliche Botschaft von der Wiederbringung aller, da verkündigt wird, wie dass alle Kreaturen, sie seien im Himmel, auf Erden und unter der Erden, im Meer und in allen Tiefen, doch eine jegliche in ihrer von Gott bestimmten Zeit und Ordnung nach ergangener Läuterung hier in dieser Zeit oder in den zukünftigen Äonen nach rückstelligen Gerichten auf die allergerechteste Art und Weise des gerechten und gütigsten Gottes durch Jesum Christum, den Anfang und Ende der Kreatur, den Wiederbringer aller Dinge, Versöhner und Friedenmacher, von der Sünde und Strafe der Sünden sollen errettet und in den vorigen Zustand, darin sie waren, ehe die Sünde war, und noch in einen besseren zum Preis, Ehre und Herrlichkeit des allerheiligsten und allmächtigen Schöpfers versetzt und wiedergebracht werden. Die Grundeinstellung teilten auch Christian Gottlieb Pregitzer (-1824), Michael Hahn (gest. 1819), Friedrich Christoph (gest. 1782), Johann Albrecht Bengel (gest. 1752), Jung-Stilling (gest. 1817) und die beiden Blumhardts, Vater (gest. 1880) und Sohn (gest. 1919). Durch die missionarischen Bestrebungen eines George de Benneville und den deutschen Täufergruppen wurden diese Auslegungen in Nordamerika verbreitet, wo sie dann vor allem durch Unitarier großen Einfluss gewannen. Einige Zeit später (1867) veröffentlichte Andrew Jukes sein Buch "The Restitution of all Things" (Die Wiederherstellung aller Dinge).

Obgleich mittlerweile viele Christen unterschiedlichster theologischer Prägungen die Aussöhnung des Alls erkennen können, bekennen sich dennoch nur relativ wenige Gruppen geschlossen dazu, wie die ehemalige Universalist Church of America (1793-1961), die Bibelkonferenzstätte Langensteinbacher Höhe (Hartmut Maier-Gerber, Karl Geyer, Manfred Mössinger), die Freunde Konkordanter Wortverkündigung in Deutschland und den USA, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Berlin-Hasenheide sowie die niederländische Gemeinde Eben-Haëzer in Rotterdam. Zu nennen sind auch besonders aus dem freikirchlichen Bereich der Bund gläubiger Lehrer und Akademiker" (Walter M. Borngräber, Adolph Heller, Karl Geyer), Heinz Schumacher, Adolph Ernst Knoch, Theodor Böhmerle, Arthur Muhl und der Bibelübersetzer Fritz H. Baader, die sich zur Allaussöhnung bekannt haben.

Nicht überraschend ist, dass sich auch Theologieprofessoren wie Ernst Ferdinand Ströter und Wilhelm Michaelis von der heidnischen Höllenlehre des Augustinus trennen konnten. Selbst der größte Theologe des 19. Jahrhunderts, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher empfand die Vorstellung von der ewigen Verdammnis als unerträglich, weil damit der größte Teil der Menschheit unwiederbringlich verloren wäre und damit der Sieg der göttlichen Liebe unvollendet bliebe. Jürgen Moltmann argumentierte in seiner "Theologie der Hoffnung" gegen die katholische Höllenlehre, ebenso wie Ernst Stähelin. Der konservative Theologe Karl Barth, der größte Theologe des 20. Jahrhunderts, schreibt: Es gibt kein Recht, es sich verbieten zu lassen, dass in der Wirklichkeit Gottes immer noch mehr, als wir erwarten dürfen, dass in der Wahrheit dieser Wirklichkeit auch die überschwängliche Verheißung der endlichen Errettung aller Menschen enthalten sein möchte. Auch Hans Urs von Balthasar, Herman Schell (kath. Würzburger Dogmatiker, dessen diesbezügliches Werk "Gott und Geist" auf dem Index landete), Jonathan Mayhew, Charles Chauncey, Hosea Ballou, Paul Tillich, John Macquarrie, Vernon White, John A.T. Robinson, Jan Bonda, und Charles Skinner haben die Lehre der Hölle abgelehnt.

An den ewigen Höllenstrafen hält die katholische Kirche, seit im Mittelalter Papst Innozenz IV. offiziell diese Lehre gelehrt hat, bis heute fest. Vor dem 2. Vatikanum konnte man in der katholischen - mit dem Imprimaturvermerk versehenen - Literatur für die Rechtfertigung dieser Lehre die absonderlichsten Begründungen finden. "Zeitliche Belohnung oder Strafe", schreibt z. B. Josef Staudinger (1950), "allein wäre unwirksam. Daher muß die göttliche Sanktion im Ewigen liegen." Hier findet man wieder den pädagogischen Gesichtspunkt des Kirchenvaters Hieronymus, zur Abschreckung vor der Sünde müsse man die Lehre von der ewigen Hölle vertreten. Staudinger fährt dann fort und steigert seine heillosen Vorstellungen, die kirchenamtlich aber anerkannt wurden, ins Extrem: "Ja, selbst die Liebe und Barmherzigkeit fordert, so sonderbar dies klingen mag, die ewige Hölle. [...] Von der verzehrenden Glut des göttlichen Hasses können wir uns keinen Begriff machen..." Er meint außerdem, "daß die Hölle sich an einem bestimmten Ort befindet, ist zweifellos" und "das Höllenfeuer ist als wahres und wirkliches Feuer zu denken". Die damaligen Theologen behaupteten, alles ganz genau zu wissen, und so spricht Staudinger vom "Prasseln und Zischen der Flammen und dem Aufheulen der Verdammten". Das ist ganz der Stil der Mönche, die bei sogenannten Volksmissionen bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts von den Kanzeln ein leichtgläubiges Volk in Schrecken versetzten. Katholische Autoren scheuen sich nicht, die Eigenschaften Gottes zu pervertieren, und lassen statt Gottes Liebe, die sein Urwesen ist, den "Hass" dominieren. Es ist sogar Lehre der katholischen Kirche, dass wer die Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes höher stellt als seinen "Hass" und deshalb an keine ewigen Höllenstrafen zu glauben vermag, selbst bereits zur ewigen Höllenstrafe verdammt ist. Kann eine Kirche, die das Bild Gottes so verzerrt, heute noch erwarten, daß die Menschen ihren Lehren Glauben schenken? Die Kirchenmänner suchen die Gründe des Abfalls überall, nur nicht bei sich selbst. Man kann sich nur dem Urteil des evangelischen Bischofs Schjelderups, der einem fanatischen Pastor entgegentrat, anschließen. Er sagte: "Ich bin froh, daß am Jüngsten Tag nicht Theologen und Kirchenfürsten, sondern der Menschensohn uns selbst richten wird. Und ich zweifle nicht daran, daß die göttliche Liebe und Barmherzigkeit größer ist als die, die in der Lehre von der ewigen Pein in der Hölle zum Ausdruck kommt..." und "Für mich gehört die Lehre von der ewigen Höllenstrafe nicht in die Religion der Liebe".

Auch Billy Graham, der weltweit bekannteste Evangelist, hat erkannt, dass das Höllendogma nicht der biblischen Lehre entsprechen kann. Laut "ideaSpektrum 35/06" sagte er gegenüber " Newsweek", dass er glaubt, dass Gottes Liebe umfassend ist und dass er seinen Sohn für die ganze Welt gab. Jeder wird geliebt, unabhängig davon, was für ein Etikett [es ging um Angehörige anderer Religionen] er trägt.

Offiziell gehört jedoch die unsägliche Höllenlehre noch zum Dogma der evangelischen Kirche, wird in der Predigtpraxis allerdings kaum noch vertreten. Besonders aber in den sogenannten "fundamentalistischen" Kreisen einiger Freikirchen wird die Vergebung wirklich aller Sünden (inklusive die des Unglaubens) durch Jesus Christus immer noch verleugnet.

Fragen und Antworten

Widerspruch zur Theorie des freien Willens des Menschen

Nach Lehre vieler christlichen Kirchen stellt Gott jeden Menschen mindestens einmal im Leben vor die Entscheidung, sich für oder gegen Ihn zu entscheiden. Sie meinen, wenn sich der Mensch dann bei der zuletzt getroffenen Entscheidung negativ entscheide, er unweigerlich die Folgen tragen müsse, die nach Anhänger der Höllenlehre ewige Höllenqualen sind. Würden dagegen alle Menschen trotz anderer Entscheidungen und Handlungen letzlich doch in die Gemeinschaft mit Gott geführt, würde der Mensch in seinem Willen nicht ausreichend respektiert werden. Ihre These lautet, dass Liebe auf beiden Seiten einen freien Willen erfordere. Dieser Auffassung liegt der Arminianismus zu Grunde, der von Arminius (geb. 1559 in Holland) durch die Auseinandersetzung mit dem Calvinismus entwickelt wurde und der als Ursprung für das Dogma des freien Willens gelten kann.

  • ·         Vertreter der Allaussöhnung bekräftigen dann auch, dass die Theorie des Freien Willens des Menschen im Widerspruch zur Allmacht Gottes steht. Sie meinen statt dessen, dass Gott Menschen beruft, die dann Gott erkennen könnten; d.h., dass kein Mensch jemals Gott ablehnt hat, dem Er sich offenbart hat. Die Rettung hängt in ihrer Auslegung der Bibel also nicht davon ab, ob der Mensch Gott (in einer angeblich freien Entscheidung) ausgewählt hat, sondern Gott ziehe jeden Menschen zu einem vorbestimmten Zeitpunkt zu sich. Der Mensch sei von Gott abhängig, nicht umgekehrt. Menschen können ihrer Meinung nach auch gar keinen freien Willen haben, da sie im Unterschied zu Gott kausal handeln, also alle Entscheidungen eine Ursache haben (die gottbestimmt sind), die aber zum Zeitpunkt der Entscheidung oft unbewußt sind, wodurch die Illusion eines freien Willen entsteht. Objektiv betrachtet sei nur Gott allein nicht kausal und daher kann nur Gott einen freien Willen haben. Sie fragen auch, was mit den vielen Menschen passieren soll, die von Jesus Christus in ihrem Leben nie oder nur verzerrt gehört haben oder die die Botschaft nicht verstanden haben, also für die angenommene Entscheidung nur eine mangelhafte Informationsgrundlage hatten.

Wie ist Gottes Allmacht einzuordnen?

Des Weiteren widerspricht nach Meinung der Anhänger der Höllenlehre das Verneinen einer endgültigen Verdammung der Allmacht und dem Absolutheitsanspruch Gottes. Gott würde gegenüber den Gottesleugnern und Gottesfeinden ohnmächtig werden. Diese könnten gegen Gott sündigen und gleichzeitig Gott höhnen und sagen, er müsse sie zuletzt doch in seinen Himmel aufnehmen.

  • ·         Vertreter der Allaussöhnung sagen dazu, wenn die Bibel sagt, dass Gott "will, dass alle Menschen gerettet werden" (1. Tim. 2:4), Gott dies auch mit jedem Menschen erreichen wird. Gottes Allmacht zeige sich gerade darin, dass Er auch durchführen kann, was Er sich vorgenommen hat. Außerdem entspricht es Gottes Eigenschaften, dass er sich allen seinen Geschöpfen gegenüber barmherzig und gnädig verhält (denn niemand kann sich selbst retten). Sie verweisen beispielsweise auf Römer 9, wo ausgesagt wird, dass selbst Gotteslästerer wie Pharao, in ihrer Ablehung von Anweisungen dennoch Gottes Wille durchgeführen müssen. Sie fragen außerdem, ob es mit Gottes Gerechtigkeit zu vereinbaren ist, wenn Gott Menschen für Sünden, die maximal ein Menschleben dauern können, eine endlose grausame Strafe anordnen würde.

Ist Mission noch sinnvoll?

Anhänger der Höllenlehre sind besorgt, dass die Motivation der Missionare erlahmen könnte, denen das Christentum zu bringen, die sonst Gott nicht kennenlernen würden. Wozu sollte man das Evangelium predigen, wenn ohnehin alle erlöst werden und niemand vor einer Hölle bewahrt werden müsste?

  • ·         Dem entgegnen Anhänger der Allaussöhnung mit der Frage, ob die Erwartung eines bösen Endes für einen Teil der Menschen überhaupt eine geeignete Motivation sei, anderen Menschen einen liebenden Gott nahe zu bringen. Sie meinen außerdem, dass auch mit der Drohung einer Hölle (die oft nicht mehr direkt ausgesprochen wird) Menschen nicht dazu gebracht werden können, Gott zu lieben. Betrand Russell meinte stellvertretend in "Warum ich kein Christ bin": Ich muß sagen, daß diese ganze Lehre vom Höllenfeuer als Strafe für die Sünde eine grausame Lehre ist. Sie hat Grausamkeit in die Welt gebracht und für Generationen unbarmherzige Folgen. Vertreter der Allaussöhnung sehen sich natürlich auch in der Pflicht, anderen Menschen die wirklich frohe Botschaft von einem liebenden Gott nahezubringen - darin sehen sie sich aber als Werkzeuge Gottes, um die Allaussöhnung zu erreichen. Die Motivation aber, andere vor einer "Hölle" zu bewahren, sehen sie nicht als zielführend an. Auch kirchengeschichtlich ist die Behauptung abwegig, denn zu den ersten deutschen Missionaren überhaupt gehörten Pietisten (z.B. Johann Martin Mack, 17715-1784 oder Christian Gottlob Barth, 1824-1838), die die Höllenlehre als unbiblisch ablehnten. 

Widerspricht Allaussöhnung der Gerechtigkeit Gottes?

Kritiker der Allaussöhnung weisen außerdem auf die ihrer Meinung nach vielen Bibelstellen im Neuen Testament hin, wo von einer Scheidung zwischen Gerechten und Ungerechten gesprochen würde - Gerechte würden das "ewige" Leben erhalten, während alle anderen dann in einer Hölle "ewig" gequält werden müssten. Ebenso meinen sie, dass eine Läuterung nach dem Tod biblisch nicht belegt ist. Weiter behaupten sie, dass die Allaussöhnung zwar Gottes Liebe betone, aber seine Heiligkeit und seine Gerechtigkeit ganz in den Hintergrund stelle.

  • ·         Vertreter der Allaussöhnung sagen dazu, dass die Bibel nicht in erster Linie zwischen "gerecht" und "ungerecht" unterscheidet, sondern allein der Glaube an Jesus Christus entscheidend ist, der aber ein Geschenk an den Menschen ist. Wenn in den Evangelien von "ewigem Leben" oder "ewiger Strafe" die Rede ist, weisen sie darauf hin, dass im Grundtext der Zeitbegriff "äonisch" verwendet wird (der mit "endlos" bzw. "ewig" somit falsch übersetzt wurde), den sie auf bestimmte Äonen beziehen. Sie bestätigen zwar, dass durch die Auswahl Gottes jene Menschen vor anderen zum Glauben kommen können (die dann das äonische Leben erhalten, während andere tot sind), danach aber alle Menschen Gott erkennen werden. Sie meinen außerdem, dass sich gerade darin die Gerechtigkeit Gottes zeigt, der die Menschheit aus der passiven Kollektivstrafe der Sterblichkeit durch den Sündenfall Adams wieder kollektiv und passiv befreit. Die Gerechtigkeit Gottes, so meinen sie, sei nicht in den Dimensionen der primitiven, menschlichen Rache gefangen.

Abgrenzung zu nichtchristlichen Sichtweisen

Die Allaussöhnung ist aufgrund der biblischen Basis eine spezifisch christliche Sicht, die es so in anderen Religionen oder Philosophien nicht gibt. Fälschlich wird sie aber manchmal mit folgenden Lehren in Verbindung gebracht:

  • ·         Im Neuplatonismus gab es Lehren, dass der Tod für die menschliche Seele die Befreiung von der negativ gesehenen Materie ist und die Totenwelt daher ein Ort der Freiheit, nichts Negatives, wobei dieser Zustand oft durch viele Reinkarnationen erarbeitet werden muss.
  • ·         Auch der Mahayana-Buddhismus geht davon aus, dass die Erlösung für alle Menschen zu erreichen ist.
  • ·         Im New Age wird die Möglichkeit eines ''vollkommenen Kosmos'', ein "universaler Superorganismus" erhofft, als Endstufe einer kosmischen und gesellschaftlichen Evolution, sie spricht auch von der Wiedervereinigung mit dem Brahman. Von Gott und Versöhnung ist auch hier keine Rede.
  • ·         Religiöser Pluralismus geht davon aus, dass jede Religion einen Weg zur Erlösung und zur richtigen Beziehung mit dem Göttlichen hat, das damit allen Menschen offen steht. Ansatzweise kann dies auch in der Bewegung der Ökume erkannt werden.
  • ·         Die Baha'i glauben an einen inneren Wandel im Menschen und der Gesellschaft, der die gesamte Welt wieder zur Harmonie bringen wird.
  • ·         Reinkarnation, u.a. im Buddhismus, Hinduismus und im Bereich der Esoterik gelehrt, geht davon aus, dass es eine unsterbliche Seele (bzw. im Buddhismus wirksame Seinsfaktoren) gebe, die sich aus eigener Kraft in immer neuen Leiderfahrungen langsam läutert.
  • ·         Im Pantheismus ist das Göttliche letztlich die einzige Wirklichkeit - Menschen müssen ihre Unwissenheit überwinden und erkennen, dass sie Gott sind. Diese Weltsicht wird, mit gewissen Varianten, u.a. von Teilen im Hinduismus, Anthroposophie, Unitariern, Christlicher Wissenschaft und Ein Kurs in Wundern vertreten.
  • ·         Synkretismus, die Vermischung von Elementen aus verschiedenen Religionen, wird manchmal fälschlicherweise auch mit Universalismus gleichgesetzt, hat jedoch nichts damit zu tun.

    Quelle: Ist Gott Manager dieser Welt?